26.02.2026

Zum Stand der Gleichstellung

Trotz erkennbarer Fortschritte bei Einkommen und Erwerbsbeteiligung bleiben geschlechtsspezifische Unterschiede bei Arbeitszeit, Sorgearbeit und Altersabsicherung strukturell verfestigt und wirken sich langfristig auf Karriere- und Rentenchancen aus, zeigt eine aktuelle Studie.

Fristlose Kündigung und Annahmeverzug

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Eine aktuelle Auswertung der Hans-Böckler-Stiftung auf Basis von rund 30 Indikatoren zeigt ein differenziertes Bild der Gleichstellung im Erwerbsleben. Bei Einkommen und Kinderbetreuung gibt es Fortschritte. Bei Arbeitszeiten, Sorgearbeit und Altersabsicherung bleiben die Unterschiede zwischen Frauen und Männern jedoch substanziell, insbesondere in Haushalten mit Kindern.

Erwerbsbeteiligung: Elternschaft als Kipppunkt

Die Erwerbsquote von Frauen liegt weiterhin sieben bis acht Prozentpunkte unter der von Männern. Dieser Abstand hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Mit Kindern verstärken sich die Unterschiede deutlich: Väter sind häufiger erwerbstätig als Mütter, das Modell des männlichen Alleinverdieners ist in Familienhaushalten doppelt so verbreitet wie bei kinderlosen Paaren. Doppel-Vollzeit ist faktisch vor allem ohne Kinder Realität.

Arbeitszeit und Belastung: Teilzeit bleibt weiblich

Der Gender Working Time Gap beträgt aktuell 7,5 Stunden pro Woche. Fast jede zweite erwerbstätige Frau arbeitet in Teilzeit, aber nur etwa jeder achte Mann. Ab dem 30. Lebensjahr (typischerweise zur Familiengründung) steigt die Teilzeitquote von Frauen deutlich an. Hauptgrund sind Betreuungsaufgaben. Zugleich berichten Frauen häufiger von hoher Arbeitsintensität, Zeitdruck und emotionalen Anforderungen. Viele sind in sozialen und dienstleistungsorientierten Berufen tätig, in denen Interaktionsarbeit zum Kern der Tätigkeit gehört. Für Arbeitgeber bedeutet das: Arbeitszeitvolumen allein bildet Belastung nicht ab.

Einkommen und Rente: Langsame Annäherung

Der Gender Pay Gap lag 2024 bei 16% – ein Rückgang, aber weiterhin über dem EU-Durchschnitt. Frauen verdienen im Schnitt 4,10 € pro Stunde weniger als Männer. Nur knapp die Hälfte der abhängig beschäftigten Frauen erzielt ein langfristig existenzsicherndes Einkommen; bei Männern sind es rund drei Viertel. Über den Lebensverlauf kumulieren diese Unterschiede. Der Gender Pension Gap beträgt trotz Rückgangs noch immer 43%. Frauen erhalten im Durchschnitt deutlich geringere Alterssicherungsleistungen.

Strategische Relevanz für Arbeitgeber

Die Daten machen deutlich, dass Gleichstellung kein reines Sozialthema ist, sondern eine Frage der Arbeitsorganisation und Wettbewerbsfähigkeit. Wer qualifizierte Fachkräfte halten will, muss Erwerbs- und Sorgeverantwortung zusammendenken. Transparente Vergütungsstrukturen, belastbare Teilzeit-Karrierepfade und eine Führungskultur, die auch Väter in ihrer Familienrolle ernst nimmt, sind zentrale Stellschrauben.


Hans-Böckler-Stiftung vom 24.02.2026 / RES JURA Redaktionsbüro (vcd)

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