• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Bundesverfassungsgericht billigt einrichtungsbezogene Nachweispflicht

23.05.2022

Bundesverfassungsgericht billigt einrichtungsbezogene Nachweispflicht

Fristlose Kündigung und Annahmeverzug

©guerrieroale/fotolia.com

Mit einem aktuellen Beschluss hat der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts eine Verfassungsbeschwerde zurückgewiesen, die sich gegen die Pflicht zum Nachweis einer Impfung gegen COVID-19 (sog. einrichtungs- und unternehmensbezogene Nachweispflicht) gerichtet hat.

Das Bundesverfassungsgericht hat sich mit Streitfall mit den §§ 20a, 22a und 73 Abs. 1a Nr. 7e bis 7h des Gesetzes zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz – IfSG) befasst. Darin ist die auf bestimmte Einrichtungen und Unternehmen des Gesundheitswesens und der Pflege bezogene Pflicht geregelt, eine COVID-19-Schutzimpfung, eine Genesung von der COVID-19-Krankheit oder eine medizinische Kontraindikation für eine Impfung nachzuweisen (sog. einrichtungs- und unternehmensbezogene Nachweispflicht).

Einrichtungsbezogene Nachweispflicht gerechtfertigt

In seinem Beschluss vom 27.04.2022 (1 BvR 2649/21) stellt das Bundesverfassungsgericht klar: Die angegriffenen Vorschriften verletzen die Beschwerdeführenden nicht in ihren Rechten insbesondere aus Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG und Art. 12 Abs. 1 GG. Soweit die Regelungen in die genannten Grundrechte eingreifen, sind diese Eingriffe verfassungsrechtlich gerechtfertigt. Der Gesetzgeber hat im Rahmen seines Einschätzungsspielraums einen angemessenen Ausgleich zwischen dem mit der Nachweispflicht verfolgten Schutz vulnerabler Menschen und den Grundrechtsbeeinträchtigungen gefunden.

Trotz der hohen Eingriffsintensität müssen die grundrechtlich geschützten Interessen der im Gesundheits- und Pflegebereich tätigen Beschwerdeführenden letztlich zurücktreten.

Entscheidung gilt auch für die Zukunft

Die weitere Entwicklung des Pandemiegeschehens nach Verabschiedung des Gesetzes begründet keine abweichende Beurteilung, so das Bundesverfassungsgericht weiter. Es gab keine neuen Entwicklungen oder bessere Erkenntnisse, die geeignet wären, die ursprünglichen Annahmen des Gesetzgebers durchgreifend zu erschüttern. Es ist weiterhin davon auszugehen, dass eine Impfung jedenfalls einen relevanten – wenn auch mit der Zeit abnehmenden – Schutz vor einer Infektion bietet. Dies gilt auch mit der aktuell vorherrschenden Omikronvariante des Virus. Auch die pandemische Gefährdungslage hat sich nicht genügend entspannt. Eine deutlich verringerte Schutzbedürftigkeit vulnerabler Personen und eine entsprechend zu ihren Ungunsten ausfallende verfassungsrechtliche Güterabwägung liegt nicht vor.

Es besteht unter den im hiesigen Verfahren angehörten Fachgesellschaften weitgehend Konsens, dass sich unbeschadet eines im Durchschnitt milderen Krankheitsverlaufs unter der Dominanz der Omikronvariante die Zusammensetzung der Risikogruppen und ihre grundsätzlich höhere Gefährdung nicht verändert habe.


BVerfG vom 19.05.2022 / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro

Weitere Meldungen


Meldung

© Calado/fotolia.com

22.02.2024

EuGH zum Fehlen von Kündigungsgründen bei befristet Beschäftigten

Der EuGH stellt klar, dass die bloße temporäre Natur eines Beschäftigungsverhältnisses die schlechtere Behandlung befristet beschäftigter Arbeitnehmer nicht rechtfertigt.

weiterlesen
EuGH zum Fehlen von Kündigungsgründen bei befristet Beschäftigten

Meldung

©Coloures-Pic/fotolia.com

13.02.2024

Zur Kürzung der Vergütung eines Betriebsrats

Das Landesarbeitsgericht Niedersachsen hat eine Entscheidung im Verfahren über die Kürzung der Vergütung eines Betriebsrats gefällt.

weiterlesen
Zur Kürzung der Vergütung eines Betriebsrats

Meldung

©lebkuchen53/fotolia.com

07.02.2024

Beitragspflicht für Erntehelfer unumgänglich

Ein koordinierter Beschäftigtentausch als Sparmodell für Sozialversicherungsbeiträge ist unzulässig. Dies hat das LSG Niedersachsen-Bremen klargestellt.

weiterlesen
Beitragspflicht für Erntehelfer unumgänglich

Meldung

© Kzenon/fotolia.com

05.02.2024

Bundesrat will Leiharbeit in der Pflegebranche reduzieren

Der Bundesrat fordert die Bundesregierung auf, alle rechtlichen Möglichkeiten zur Begrenzung von Leiharbeit in der Pflegebranche auszuschöpfen.

weiterlesen
Bundesrat will Leiharbeit in der Pflegebranche reduzieren

Das könnte Sie ebenfalls interessieren:


Haben wir Ihr Interesse für die ZAU geweckt?

Testen Sie kostenlos zwei Ausgaben inkl. Datenbankzugang!