Der Firmenwagen bleibt eines der wichtigsten Vergütungsinstrumente in Deutschland. 83% der deutschen Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden ein Car Benefit an – deutlich mehr als der europäische Durchschnitt von 72%. Das zeigt die aktuelle International Car Policy Survey von WTW, an der in Deutschland 359 Unternehmen teilgenommen haben.
Doch während der Firmenwagen als Instrument unverzichtbar bleibt, verändert sich die Art, wie er angeboten wird. 46% der deutschen Unternehmen bieten Mitarbeitenden bereits die Wahl zwischen Firmenwagen und Geldlösung, im europäischen Schnitt sind es lediglich 29%. Deutschland nimmt damit eine klare Vorreiterrolle bei der Flexibilisierung von Car Benefits in Europa ein. „Der Firmenwagen ist in Deutschland kein Auslaufmodell, aber er verändert sich grundlegend. Unternehmen erkennen, dass Mitarbeitende unterschiedliche Mobilitätsbedürfnisse haben. Wer als Arbeitgeber nur den klassischen Dienstwagen anbietet, verliert im Wettbewerb um Talente an Attraktivität“, sagt Andrew Planhof, Practice Lead Rewards Data Intelligence Germany & Austria bei WTW.
Wahlrecht wächst – Firmenwagen bleibt bevorzugte Option
Die wachsende Flexibilität löst den Firmenwagen nicht ab. Von den Mitarbeitenden, die zwischen Firmenwagen und Geldlösung wählen können, entscheiden sich im Median lediglich 15% für die Allowance. Der Firmenwagen bleibt damit die klar bevorzugte Option, aber die Möglichkeit zu wählen wird zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal.
Kosten steigen, Leasing dominiert
Bei der Finanzierung setzt die große Mehrheit auf Contract Hire mit Wartung: 81% der deutschen Unternehmen nutzen dieses Modell gegenüber 75% im europäischen Schnitt. Die monatlichen Leasingkosten liegen im Median bei 1.000 € für Führungskräfte, 850 € für Middle Manager und 743 bis 795 € für Sales-Mitarbeitende. „Die steigenden Leasingkosten zwingen Unternehmen, ihre Car-Benefit-Policies aktiv zu überdenken. Viele nutzen das als Anlass, gleichzeitig ihre gesamte Mobilitätsstrategie neu auszurichten – weg vom reinen Fahrzeugmanagement, hin zu einem integrierten Ansatz“, so Planhof.
Elektromobilität: Stark bei Infrastruktur, schwach bei CO2-Vorgaben
Beim Thema Elektromobilität zeigt Deutschland ein widersprüchliches Bild. Die Ladeinfrastruktur ist gut aufgestellt: 81% der Unternehmen übernehmen Ladekosten unterwegs (Europa: 77%), 68% zahlen Strom beim Laden zu Hause (Europa: 62%) und 65% stellen Ladepunkte am Arbeitsplatz bereit (Europa: 67%). Gleichzeitig haben erst 36% der deutschen Unternehmen eine CO2-Obergrenze eingeführt – im europäischen Schnitt sind es 48%. „Dass Deutschland bei der Ladeinfrastruktur vorn liegt, aber bei CO2-Obergrenzen hinterherhinkt, ist kein Widerspruch, es spiegelt den Stand der Transformation wider. Die Infrastruktur wird ausgebaut, die strategische Steuerung folgt noch nach“, erklärt Planhof.
Mobilität jenseits des Autos
Deutsche Unternehmen bauen ihr Mobilitätsangebot systematisch aus – deutlich stärker als der europäische Durchschnitt. 28% bieten Car-Berechtigten einen ÖPNV-Zuschuss (Europa: 19%), 23% subventionieren Fahrräder (Europa: 5%) und 20% E-Bikes (Europa: 4%). Auch für Mitarbeitende ohne Car Benefit ist das Angebot breiter als in Europa: 30% erhalten einen ÖPNV-Zuschuss (Europa: 19%), 16% ein subventioniertes Fahrrad (Europa: 4%).
60% der deutschen Unternehmen planen eine Überprüfung ihrer Car-Benefit Policy in den nächsten zwölf Monaten gegenüber 44% im europäischen Schnitt. Der Anpassungsdruck ist hoch: Steigende Kosten, neue Antriebstechnologien und veränderte Mitarbeiterwünsche machen regelmäßige Reviews zur Notwendigkeit.

